19.10.2026
20 Jahre Tonbandgerät – Tour 2027
Tonbandgerät wollten von Anfang an mit ihren Liedern Momentaufnahmen festhalten. Vom Leben, wie es sich gerade anfühlt. Als die Band vor 20 Jahren gegründet wurde, waren die großen Fragen noch andere: Schaffe ich das Abitur? Was kommt danach? Was bedeutet die erste Liebe? Und was passiert, wenn plötzlich alle Freunde wegziehen? Niemand konnte wissen, dass aus diesen Momentaufnahmen einmal 20 Jahre werden würden.
Und das ist vielleicht das Erstaunlichste an der Geschichte: Die Band ist gemeinsam mit ihren Mitgliedern groß geworden. Oder die Mitglieder mit der Band. Die längste Zeit ihres Lebens waren sie Teil dieses kleinen Kosmos aus Musik, Freundschaften und gemeinsamen Geschichten. Aus einer jungen Band, die ihre ersten Gehversuche auf kleinen Hamburger Bühnen machte, vor denen eine Handvoll Freunde auf Freigetränke hoffte, wurden unzählige Konzerte in ganz Deutschland, den USA, China und Israel und ein gemeinsames musikalisches Leben, das sich über zwei Jahrzehnte erstreckt.
Das gilt auch für die Menschen vor der Bühne. Viele begleiten Tonbandgerät seit Jahren oder sogar seit den ersten Konzerten. Sie erzählen von Liedern, die auf ihrer Hochzeit liefen, von Freundschaften, die auf Tonbandgerät-Konzerten entstanden sind, und von Songzeilen, die als Tattoos auf der Haut geblieben sind.
Das ist für Tonbandgerät manchmal selbst schwer zu begreifen. Und vielleicht das größte Geschenk, das eine Band bekommen kann: zu merken, dass die eigenen Momentaufnahmen längst Teil der Lebensgeschichten anderer Menschen geworden sind.
„Ich drück Record, nie Pause“ hieß das Motto zum zehnten Geburtstag. Eine Pause gab es tatsächlich erst nach 19 Jahren Bandgeschichte. Ansonsten passt der Satz noch immer erstaunlich gut.
Denn natürlich hat sich in 20 Jahren einiges verändert. Die Band selbst. Das Leben außerhalb der Band. Bassistin Isa hat Tonbandgerät 2022 verlassen. Die anderen haben geheiratet, Kinder und Hunde, und nach den Konzerten wird inzwischen deutlich mehr alkoholfreies Bier getrunken als früher. Auch die Fragen, die in den Songs auftauchen, sind andere geworden.
Trotzdem zieht sich ein roter Faden durch die Musik: Aufbruch und Abschied, Euphorie und Nostalgie, die Suche nach dem eigenen Platz und immer wieder die Frage, wer man eigentlich ist und wer man sein möchte.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum die alten Songs nie alt geworden sind. Tonbandgerät war nie eine Band, die ihre früheren Lieder hinter sich lassen wollte, nur weil das eigene Leben inzwischen anders aussieht. Im Gegenteil. Die Songs sind Momentaufnahmen. Gerade weil sie aus einer bestimmten Zeit stammen, dürfen sie bleiben. Sie werden nicht weniger wahr, nur weil das Leben weitergegangen ist.
Manchmal ist es sogar umgekehrt. Dann spielt die Band heute einen alten Song und stellt fest, dass darin etwas steckt, das sie damals selbst noch gar nicht wissen konnte. Etwas, das man mit Anfang zwanzig nur erahnen kann und Jahre später plötzlich versteht.
„Wir haben uns mal geschworen, wir werden nie erwachsen“, heißt es in „Sekundenstill“. Mit Mitte zwanzig klang das romantisch. Zehn Jahre später würde Gitarristin Sophia den Satz nicht mehr genauso schreiben. Erwachsen zu werden ist schließlich nichts, gegen das man sich wehren muss. Es kann etwas Schönes sein. Wichtig ist nur, neugierig zu bleiben.
Und so ist die Geschichte von Tonbandgerät keine nostalgische Rückschau auf eine Zeit, die vorbei ist. Sie ist ein fortlaufendes Gespräch zwischen dem, was man einmal war, und dem, was man inzwischen geworden ist.
2027 wird Tonbandgerät 20 Jahre alt. Gefeiert wird das natürlich live. Zunächst mit zwei ausverkauften Geburtstagsshows in der Hamburger Großen Freiheit 36. Aus einer Show wurde wegen der großen Nachfrage eine zweite. Und aus den beiden Abenden schließlich eine Geburtstagstour durch 13 Städte.
Und wahrscheinlich wieder sehr viele Menschen, die jeden Text mitsingen.
Denn was nach 20 Jahren immer noch funktioniert, ist ziemlich einfach: Tonbandgerät liebt es, auf der Bühne zu stehen. Und diese Freude scheint ansteckend zu sein.
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